Belgien im Krieg / Ereignisse

Deutsche greifen im Morgengrauen an

Thema - Militärgeschichte

Verfasser : Colignon Alain (Institution : CegeSoma)

In den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1940 wurde Belgien aus seinem Dornröschenschlaf gerettet. Das Nazi-Reich ging, wie befürchtet, in die Offensive. In den letzten Tagen waren alarmierende Informationen im Umlauf. In der Nacht vom 9. auf den 10. meldeten die Wachposten an der deutschen Grenze ungewöhnliche Bewegungen.

Der Himmel füllte sich mit einem taub-summenden Geräusch

Nach und nach, gegen 5 Uhr morgens, füllte sich der Himmel mit einem dumpfen Summen: Die Luftwaffe machte sich mächtig bemerkbar und bewegte sich auf die Luftwaffenstützpunkte Brabant und Nord/Pas-de-Calais zu, während am Boden die Kommandos des "Brandenburg"-Bataillons die belgischen Linien infiltrierten. Es ging darum, ihre Ziele in den "Ostkantonen" aufzugreifen. Schlimmer noch: die mächtige Festung Eben-Emael, die angeblich uneinnehmbar war und die befestigte Stellung von Lüttich im Norden decken sollte, um einen feindlichen Einfall vom "Brückenkopf von Maastricht" aus zu verhindern, wurde innerhalb von etwa zwanzig Minuten, ab 4.30 Uhr morgens, von einigen Dutzend deutschen Luftlandekommandos mit einer "Hohlladung" neutralisiert! 

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Bruxelles, bombardements mai 1940.

Der "seltsame Frieden" ist endgültig vorbei...

In der Nähe werden auch die Brücken Vroenhoven und Veldwezelt am Albertkanal von ähnlichen Einheiten überspült. Alle belgischen Versuche zur Bergung der Brücken waren erfolglos. Der 7. und 4. Infanteriedivisionen fehlte es unter den Hämmern der Stukas an Kampfgeist. Schließlich begannen weiter südlich, auf der Höhe des fast unverteidigten Luxemburg, nicht weniger als 6 Panzerdivisionen des Reiches in Richtung Maas und Somme zu strömen...

In Brüssel werden die ersten Bomben auf dem Flugplatz Evere abgeworfen. Um 8.30 Uhr wird der deutsche Botschafter vom belgischen Außenminister empfangen. Zu Beginn des Nachmittags tritt das Parlament zusammen. Ein gemeinsames Ziel zeichnet sich ab: die Verteidigung der Unabhängigkeit des Landes. Fast überall bereiten sich die Belgier, geprägt von der Erinnerung an den August 1914, auf den Weg des Exodus vor.

Der "Scheinkrieg", der für Belgien ein "Scheinfrieden" gewesen war, war endgültig vorbei.

Bibliographie

Alain COLIGNON, Belgium : fragile neutrality, solid neutralism, in European Neutrals and Non-Belligerants during the Second World War, Cambridge, 2002, pp.97-117.

Peter TAGHON, Mei 1940 : de 18-daagse veldtocht in woord en beeld Tielt : Lannoo, 2010.