Belgien im Krieg / Ereignisse

Zwangsarbeit

Thema - Kollaboration

Verfasser : Luyten Dirk (Institution : CegeSoma)

Die deutsche Kriegswirtschaft hat einen großen Bedarf an Arbeitskräften. Die besetzten Gebiete werden als Reservoir verwendet, auch Belgien. Dies geschieht anfänglich auf ‚freiwilliger‘ Basis, auch wenn dies relativiert werden muss, weil viele mangels Alternativen unter Zwang der Arbeitsbüros nach Deutschland gegangen sind, um zu arbeiten.

Im Oktober 1942 führt der Besatzer die Zwangsarbeit in Deutschland ein, sieben Monate zuvor in Belgien und Nordfrankreich. Die Militärverwaltung ist nicht direkt ein Befürworter der Zwangsarbeit in Deutschland, sondern bevorzugt die Produktion in Belgien für Deutschland. Dabei spielt die Erinnerung an die Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg eine Rolle.

Die Zwangsarbeit ist die Folge einer politischen Wende in Deutschland. Fritz Sauckel bekommt von Hitler den Auftrag, eine Lösung für den Arbeitskräftemangel für die deutsche Industrie zu suchen. Sauckel entscheidet sich resolut für das Erschließen der Arbeiterreservoirs in den besetzten Gebieten, auch in Belgien.

Jahresklassen

Die Zwangsarbeit in Deutschland basiert auf einer deutschen Verordnung. Diese schafft einen Rahmen: Männer zwischen 18 und 50 Jahren und Frauen zwischen 21 und 35 Jahren können verpflichtet werden, in Deutschland zu arbeiten. Es gibt Ausnahmen, wie beispielsweise die Grubenarbeiter oder Arbeiter in Betrieben, die für die deutsche Kriegsindustrie arbeiten. Ab März 1943 werden Frauen nicht mehr nach Deutschland geschickt: junge Frauen ohne Begleitung nach Deutschland zu schicken, wird als moralisch bedrohlich betrachtet. 1943 wird die Rekrutierung mit den Jahresklassenaktionen systematisiert. Dieses System ist vergleichbar mit der militärischen Dienstpflicht. Alle Personen, die in einem bestimmten Jahr geboren wurden, werden zur Arbeit in Deutschland einberufen. Viele versuchen, dieser Pflicht zu entkommen, tauchen unter oder schließen sich dem Widerstand an.

Wie viele Belgier in Deutschland zwangsbeschäftigt waren, ist schwer zu sagen. Die höchste Anzahl Belgien, die in Deutschland tätig war, wird im Juli 1943 erreicht: 310.000. Sie werden in der deutschen Kriegsindustrie beschäftigt, was aufgrund der Bombardements nicht ohne Gefahr ist, und sie wohnen häufig in speziellen Arbeitslagern, in denen die Arbeitsbedingungen kaum beneidenswert sind. Wer mehr Glück hat, arbeitet in einem landwirtschaftlichen Betrieb und wohnt bei der dortigen Familie.

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Werbestelle Antwerpen.

Bibliografie

Centre de recherches et d’études historiques de la seconde guerre mondiale. De Verplichte Tewerkstelling in Duitsland: 1942-1945: Acta van Het Symposium Gehouden Te Brussel Op 6 En 7 Oktober 1992. Brussel: Navorsings- en studiecentrum voor de geschiedenis van de Tweede wereldoorlog, 1993.

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