Belgien im Krieg / Artikel

Bombardierung von Kortrijk

Thema - Militärgeschichte

Verfasser : Trogh Pieter (Institution : In Flanders Fields Museum (Ieper))

Mit seiner strategischen Lage an der Leie und seinem Status als Eisenbahnknotenpunkt war Kortrijk bereits während des Ersten Weltkriegs ein wichtiger Ort für die deutsche Kriegsführung an der Front in der Westhoek. Dadurch wurde das Bahnhofsgelände zu einem wichtigen Ziel für die ersten, "primitiven" alliierten Luftbombardements. Diese "Mückenstiche" von 1914-1918 waren jedoch nichts im Vergleich zu dem, was die Stadt Leie während des Zweiten Weltkriegs erleben musste. Zu dieser Zeit lag Kortrijk Hunderte von Kilometern von jeder Art von Front entfernt, aber sein Umschlagbahnhof (Kortrijk-Marke) und der benachbarte Flugplatz (Wevelgem) machten die Stadt während der deutschen Besatzungszeit zum Ziel alliierter Fliegertruppen. Hunderte von Zivilisten sollten dabei getötet werden. 

Mai 1940, ein deutsches Ziel

Die Luftwaffe warf die ersten Bomben auf Kortrijk ab. Bereits am 10. Mai 1940 griffen deutsche Bomber (Typ Heinkel He 111) den Umschlagbahnhof von Kortrijk und den Flugplatz von Wevelgem an. Die ersten Zivilisten werden getötet. Am nächsten Tag folgt der nächste Angriff: Diesmal sind die Eisenbahnen im Visier. Die Bombenabwürfe verfehlen ihr Ziel, richten aber auf den umliegenden Straßen Verwüstung an. Zwischen dem 24. und 27. Mai hatte Kortrijk das "Pech", sehr nahe an der "Schlacht der Leie" zu sein, eine der tödlichsten Schlachten der 18 Tage-Kampagne, die mit einer Reihe erneuter Bombenangriffe neue Opfer unter der Zivilbevölkerung forderte. Für die Menschen in Kortrijk ist die belgische Kapitulation eine Erleichterung. Dutzende von Zivilisten sterben in der Anfangsphase des Krieges.

C’est la Luftwaffe qui lance les premières bombes sur Courtrai. Dès le 10 mai 1940, des bombardiers Heinkel He 111 attaquent au crépuscule la gare de triage de Courtrai et l’aérodrome de Wevelgem. Les premiers civils sont tués. Le lendemain, nouvel assaut : cette fois, ce sont les voies ferrées qui sont visées. Les bombes manquent leur cible, faisant de lourds dégâts dans les rues avoisinantes. Entre le 24 et le 27 mai, Courtrai a la « malchance » de se trouver tout proche de la « bataille de la Lys », l’un des combats les plus meurtriers de la c18 Tage-Kampagneampagne des 18 jours, avec sa série de nouveaux bombardements et de nouvelles victimes civiles. Pour les Courtraisiens, la capitulation belge apparaît comme un soulagement. Des dizaines de civils ont été tués durant cette première phase de la guerre.

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Courtrai - Bombardement allemand - mai 1940

Und danach der Transport(ation)plan…

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Institution : US NARA RG 373 / UGent Vakgroep Archeologie
Legende des Ursprungs : Photographie aérienne bombardement de Courtrai 20-21/7/1944
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Wie überall in Belgien während der Besatzungsjahre versuchte Kortrijk, sich an die Einschränkung der individuellen Freiheiten, die Nahrungsmittelknappheit und die Zwangsarbeit zu gewöhnen. Ab 1943 wurde die Stadt gelegentlich von den Alliierten aus der Luft bombardiert: Konkret am 14. Mai, 2. Juli und 4. September. Bei dem letzten Bombardement wurden 57 Zivilisten getötet und hundert weitere verletzt. In Vorbereitung auf die Landung in der Normandie entwickelte das Alliierte Oberkommando 1944 einen so genannten Transport(ation)plan: Strategische und systematische Bombardierungen, die auf Ausbildungsstationen, Eisenbahnbrücken und Reparaturwerkstätten abzielten und die die deutsche Reaktion auf eine Invasion Frankreichs erheblich erschweren sollten. 

Da nicht alle Beteiligten gleichermaßen von diesem Plan überzeugt waren - es könnte viele zivile Opfer geben - wurde beschlossen, Testbombardierungen an sechs "französischen" Ausbildungsstationen durchzuführen: Trappes, Aulnoy, Le Mans, Amiens, Laon und schließlich "Courtrai", das als französisch galt. Courtrai war am 26. März 1944 an der Reihe. Kurz nach neun Uhr abends warfen 109 Flugzeuge der Bomber Group 23 Minuten lang 2.100 Bomben auf die Stadt ab. Die meisten von ihnen landeten auf der Formationsstation, aber auch andere Teile der Stadt wurden getroffen. Insgesamt wurden mindestens 250 Zivilisten getötet und 116 verwundet.

Die "Testbombardierungen" wurden als Erfolg gewertet, und so erhielt der Transport(ation)plan grünes Licht, obwohl eingewendet wurde, keine Ziele aufzunehmen, bei denen schätzungsweise mehr als 150 zivile Opfer zu beklagen wären. In den folgenden Monaten wurde Kortrijk noch mehrere Male bombardiert. Offiziellen Quellen zufolge haben die Sirenen 1944 insgesamt 557 Mal ertönt. Die Menschen lebten mehr unter als über der Erde. Die Angst war ständiger Begleiter und viele Kortrijker verachteten die Alliierten wegen den Bombardierungen.

Das letzte Inferno

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 wurde der Alarm um 0.45 Uhr ausgelöst. Zwei Bombardierungswellen trafen die Stadt. Das Bombardement vom 21. Juli 1944 war das letzte, das Kortrijk widerfuhr. Die Stadt wurde später von V1- und V2-Bomben verschont. Nach den Opferlisten und Berichten in den Stadtarchiven kostete dieser Bombenanschlag im Juli 1944 182 Menschenleben. Laut den Forschern Véronique Lambert und Isolde De Buck starben bei den Bombardierungen durch die Deutschen und Alliierten insgesamt 515 Zivilisten und 384 wurden verwundet. Im April 1945 zählte der Stadtingenieur 635 Opfer und 66 Schwerverletzte. Zweifellos schloss er auch andere Opfer als die der Bombenangriffe ein, auch wenn es im April 1945 wahrscheinlich noch zu früh war, um eine Liste der in Deutschland verstorbenen Bewohner Kortrijks zu erstellen. Diese Schätzung könnte auch diejenigen einbezogen haben, die an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben sind. Auf jeden Fall bleiben die genauen Zahlen eine heikle Frage.

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Bombardement de Courtrai, 20-21/7/1944

Eine Bewertung der Kollateralschäden

Auf dem Luftbild, das einen Monat nach dem Bombenanschlag vom 21. Juli aufgenommen wurde, scheinen die Eisenbahnschienen und der Bahnhof mehr oder weniger repariert worden zu sein, aber der "Kollateralschaden" bleibt klar. Während des Zweiten Weltkriegs war Belgien weitgehend mit dem Konzept der Kollateralschäden - oder des Beschusses durch eigene Truppen, wobei diese beiden Ausdrücke oft synonym verwendet werden - konfrontiert, d.h. mit der unfreiwilligen Beschädigung von Zivilisten oder Gebäuden, die keine militärischen Ziele waren. Unter diesem Gesichtspunkt war Kortrijk während der Besatzungszeit eine der belgischen Städte, die sowohl von den Deutschen als auch von den Alliierten am stärksten betroffen waren. Diese Tatsache ist wesentlich, um die komplexe Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, die sich in den Köpfen der Menschen in Kortrijk gebildet hat, besser zu verstehen.

Bibliographie

Raoul DE PAEPE, De luchtaanvallen op Kortrijk, Heule, Marke en Bissegem gedurende de Tweede Wereldoorlog (1939-1945), (Kortrijk, Koninklijke Geschied- en Oudheidkundige Kring van Kortrijk, 1977)

Véronique LAMBERT; Isolde DE BUCK. 1944: Friendly Fire boven Kortrijk (Kortrijk, Uitgeverij Groeninghe, 2004)

José VANBOSSELE, Kortrijk tijdens de Tweede Wereldoorlog. Deel 1: Kroniek naar het dagboek van dokter Mattelaer (Kortrijk, Uitgeverij Groeninghe, 1986)

José VANBOSSELE, Kortrijk tijdens de Tweede Wereldoorlog. Deel 3: De verwoesting van de stad (Kortrijk, Uitgeverij Groeninghe, 1988)

Stadsarchief Kortrijk TREZOOR, M.S.AK., 2848, Stukken met kaart i.v.m. verslagen over luchtaanvallen, de opgave van de beschadigde huizen en van de slachtoffers, maatregelen voor de begrafenis van de slachtoffers, 1943-1945.

http://www.luukgruwez.be/gedichten/kortrijk.htm

https://data.world/datamil

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36(2).jpg Artikel Guerre aérienne en Belgique (La) Colignon Alain