Belgien im Krieg / Artikel

Die intellektuelle Kollaboration in Belgien

Thema - Kollaboration

Verfasser : Colignon Alain (Institution : CegeSoma)

In der Zwischenkriegszeit finden verschiedene, sowohl französisch- als auch niederländischsprachige,  Persönlichkeiten aus politischen und akademischen Kreisen eine Plattform mit einem breiten Angebot an Zeitschriften und Tageszeitungen. Allerdings kann man nicht von einem intellektuellen Milieu als solchem sprechen.

Eine schwache nationale Identität

Die Abwesenheit einer intellektuellen Umgebung ist teilweise auf eine eher schwache nationale Identität zurückzuführen: es gibt zwei Sprachgruppen, die faktisch Widersacher sind. Die Spaltung der Gesellschaft in politisch-philosophische starre Säulen verschlimmert die Situation noch. Und auf französischsprachiger Seite schwächt die Ausstrahlung von Paris diese Kreise schlussendlich noch mehr.

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Verfasser : Otto Kropf
Institution : CegeSoma
Sammlung : Spronk
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Non légendée

Seine eigenen Interessen zurückstellen, sich anpassen oder kollaborieren?

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Der Krieg und die Besatzung werden die Spielregeln durcheinanderbringen. Viel Platz für eine offene Debatte gibt es nicht mehr, und eine gewisse Anzahl Intellektueller beschließt, lieber ‚ihre Feder zu brechen‘ als für zensierte Publikationen zu schreiben. Andere entscheiden sich zum Rückzug in eine öffentliche oder halb-öffentliche Funktion (z.B. Winterhilfe).

Die ‚organischen Intellektuellen‘, die mit wissenschaftlichen Strukturen verbunden sind, warten vorsichtig ab. Mal neigen sie zu einer Politik des geringsten Übels (Wallonien, Brüssel), mal zu Versuchen einer weitgehenden Anpassung (Flandern).

Aber sowohl im Süden als auch im Norden des Landes gibt es auch einige Intellektuelle, die beschließen, mit den Medien (Zeitschriften, Tageszeitungen, Radio) zusammenzuarbeiten, die von der Propaganda-Abteilung abhängen. Sie werden durch politische Leidenschaft mitgerissen, sind durch Opportunismus oder einen Drang nach Befriedigung motiviert. Sie werden zum Sprachrohr der Neuen Ordnung.

Verschiedene Identitätsmerkmale zwischen dem Norden und dem Süden

Flamen und Französischsprachige haben verschiedene Einstellungen. Die Französischsprachigen bleiben lange dem Respekt für eine gewisse ‚Belgitude‘ verhaftet und können dies nötigenfalls mit dem Faschismus versöhnen und mit dem deutschen Europa in Einklang bringen.

Im Norden des Landes, wo die Nazi-Thematik schneller eine große Rolle spielt, sehen die Kulturorganisationen in Anwesenheit des Besatzers die Möglichkeit, die Autonomie und selbst die Unabhängigkeit des flämisch-nationalistischen Flanderns zu fördern. Die literarische Kritik, Essays und Heimatromane scheinen anfälliger für einen Nazi-Diskus zu sein. Wies Moens, Cyriel Verschaeve, Ferdinand Vercnocke und Marcel Matthijs sind einige ihrer Fahnenträger. Der Dichter Bert Peleman geht selbst so weit, dass er die Uniform der „Dietse Militie-Zwarte Brigade“ trägt.

Bibliografie

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Rase, Céline. Les Ondes En Uniforme : La Propagande de Radio Bruxelles En Belgique Occupée (1940-1944). Namur: Presses universitaires de Namur, 2011.

Aron, Paul, Dirk De Geest, Pierre Halen, and Antoon Vanden Braembussche. “Leurs Occupations : L’impact de La Seconde Guerre Mondiale Sur La Littérature En Belgique.” Bruxelles: André Versaille, 1997.

Delcord, Bernard. “A Propos de Quelques ‘Chapelles’ Politico-Littéraires En Belgique (1919-1945).” Cahiers Du CREHSGM, no. 10 (November 1986): 153–205.

Aron, Paul, and Cécile Vanderpelen-Diagre. Vérités et Mensonges de La Collaboration : Trois Écrivains Racontent “Leur” Guerre (Raymond De Becker, Félicien Marceau, Robert Poulet). Bruxelles: Labor, 2006.

Gotovitch, José. “La Thérésienne 1940-1944, Élite de La Nation ?” Bulletin de La Classe Des Lettres et Des Sciences Morales et Politiques XXV (2014): 91–116.

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