Belgien im Krieg / Artikel

Generalsekretäre

Thema - Kollaboration

Verfasser : Wouters Nico (Institution : CegeSoma)

Höchste belgische Beamte, die während der Besatzung ihre Minister ersetzen und die als eine Art von Beamtenregierung einen wesentlichen Bestandteil der Politik des geringsten Übels bilden.

1940

Vor der deutschen Besatzung ist ein Generalsekretär als höchster Beamter eines Ministeriums für die interne Organisation verantwortlich. Auf Basis des Gesetzes über die Pflichten von Beamten in Kriegszeiten vom 5. März 1936 und dem Gesetzeserlass vom 10. Mai 1940 müssen diese Beamten im Mai1940 plötzlich die Aufgabe ihrer geflüchteten Minister übernehmen. Ein Abkommen (‚Protokoll‘) vom 12. Juni 1940 verleiht ihnen umfangreiche Befugnisse. Die Beamten treten als „Komitee von Generalsekretären“ zusammen – etwas, das im belgischen Verwaltungsrecht eigentlich nicht besteht. Sie entpuppen sich nach dem Sommer des Jahres 1940 als echte Beamtenregierung, die unter deutscher Kuratel regiert, aber ohne politische Deckung. Sie fassen manchmal weitreichende Beschlüsse, unter anderem in der Organisation einer staatlich orientierten Wirtschaft, der Umgestaltung des Lebensmittel- und Arbeitsmarktes, der Lokalverwaltungen und der Preispolitik.

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Die Probleme

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Institution : CegeSoma
Sammlung : Sipho
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : "Inauguration à Zandvliet d'une plantation de 3 hectares de Colza, sur un Polder, reconquis sur l'Escaut. Cette céremonie n'avait plus eu lieu en Belgique depuis le 17me siècle. Monsieur De Winter, secrétaire général de l'Agriculture et du Ravitaillement, sèmant le colza dans un nouveau Polder. Inhuldiging te Zandvliet van een planting van Colza op 3 hectaren op een Polder herwonnen op de Schelde. Deze plechtigheid had geen plaats meer gehad sinds de 17e eeuw. De h. De Winter, secrataris-generaal van Landbouw en Ravitaillering, de Colza zaaiend op een nieuwe Polder. [censure photographique] [Frei gegeben durch zensur]"

Ihre Verwaltung wird stets mit größeren Problemen konfrontiert. Erstens werden wichtige Generalsekretäre unter deutschem Druck ausgetauscht (siehe beispielsweise die Ernennung des Vlaams Nationaal Verbond (VNV)-Mitglieds Gerard Romsée als Generalsekretär für Innere Angelegenheiten im März 1941).  Zweitens verfangen sie sich schnell in einer Spirale von Zugeständnissen gegenüber dem deutschen Besatzer. Dadurch verlieren sie sowohl den Zugriff auf ihre eigenen Verwaltungsdienste als auch ihre Legitimität bei der Bevölkerung. Drittens wird die Rechtmäßigkeit ihrer Beschlüsse ab 1942 stets häufiger in Frage gestellt (siehe die erste und zweite gerichtliche Krise). Dennoch üben die Generalsekretäre noch stets die Leitung aus. Es ist entscheidend, die belgische Verwaltung in belgischen Händen zu halten. Sie akzeptieren ihre Zugeständnisse als unvermeidliche Folge der Tatsache, dass der Besatzer über die faktische Macht verfügt.

Gleichzeitig protestieren sie immer häufiger gegen deutsche Maßnahmen. Sie können bestimmte Dinge verhindern oder verzögern (wie beispielsweise die verzögerte Einführung der Zwangsarbeit in Deutschland). Nach und nach unterstützen sie auch heimliche Maßnahmen – und selbst administrative Sabotage oder Widerstand. Ab 1942 verteidigen die Generalsekretäre ausdrücklich einen belgisch-nationalen Standpunkt, häufig gegen die deutsche Politik. Die Entwicklung von VNV-Mitglied Victor Leemans ist in dieser Hinsicht vielsagend. VNV-Mitglied Romsée wird durch seine Kollaborationspolitik ein Außenseiter im Komitee.

Nach dem Krieg

Nach der Befreiung wird eine administrative und gerichtliche Untersuchung im Hinblick auf die Generalsekretäre eingeleitet. Einige bekommen eine Verwaltungsstrafe. Nur zwei Generalsekretäre werden wegen politischer Kollaboration verurteilt: Gaston Schuind (Justiz) und Gerard Romsée (Innere Angelegenheiten). Victor Leemans (obwohl Mitglied des VNV) und Emiel De Winter werden nicht verurteilt und bauen anschließend eine erfolgreiche politische Karriere bei der Christelijke Volkspartij (CVP – Christliche Volkspartei) auf. Im Allgemeinen urteilen der administrative Untersuchungsausschuss und das Militärgericht, dass die Generalsekretäre trotz gewisser Fehler immer ausgehend von der Absicht gehandelt haben, dem Land und der Bevölkerung zu dienen. 

Bibliografie

Wouters, Nico. De Führerstaat: Overheid En Collaboratie in België (1940-1944). Tielt: Lannoo, 200

Van den Wijngaert, Mark, Bruno De Wever, Dirk Luyten, Fabrice Maerten, Patrick Nefors, Luc Vandeweyer, and Marnix Beyen. België Tijdens de Tweede Wereldoorlog. Antwerpen: Manteau, 2015

Van den Wijngaert, Mark. “La Politique Du Moindre Mal. La Politique Du Comité Des Secrétaires Généraux En Belgique Sous L’occupation Allemande, 1940-1944.” Edited by Etienne De Jonghe, Rudi Damiani, and Danielle Delmaire. L’ Occupation En France et En Belgique : 1940-1944 : Actes Du Colloque de Lille, 26-28 Avril 1985. Revue Du Nord 1 (1987): 63–72.

Van den Wijngaert, Mark. “Tussen Vijand En Volk : Het Bestuur van de Secretarissen-Generaal Tijdens de Duitse Bezetting 1940-1944.” In Het Minste Kwaad, by Willem C.M. Meyers, Mark Van den Wijngaert, Rudi Van Doorslaer, and Etienne Verhoeyen, 9–22. Kapellen: De Nederlandse Boekhandel Uitgeverij Pelckmans, 1990

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