Belgien im Krieg / Artikel

Gewalt

Thema - Kollaboration

Verfasser : Vrints Antoon (Institution : UGent)

Unterstützung eines gewalttätigen Regimes

Von Kollaborateuren ging im Zweiten Weltkrieg auf verschiedene Weise eine gewalttätige Bedrohung aus. Schließlich bestand die Kollaboration aus Unterstützung eines gewalttätigen Regimes. Der deutsche Besatzer führte in Belgien, anders als in Osteuropa, keinen Vernichtungskrieg, aber sein Regime war wohl lebensbedrohlich für alle Juden oder politischen Gegner. Der Besatzer verübte also keine Gewalt gegen die belgische Bevölkerung im Allgemeinen;  wer jedoch vom Regime als unerwünscht betrachtet wurde, konnte in ein Konzentrations- oder Vernichtungslager abtransportiert werden. Um mögliche Gegner im Auge zu behalten und nötigenfalls bestrafen zu können, ist der Besatzer von Informationen aus der belgischen Bevölkerung abhängig. Die deutsche Besatzungsmacht in Belgien ist nämlich viel zu klein, um selbst jedermann kontrollieren zu können.

Rolle der kollaborierenden Organisationen

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Institution : AGR-CegeSoma
Sammlung : Photos des archives de la police judiciaire de Bruxelles en rapport avec les attentats, les sabotages et les vols ("Attentats Occipation"), 1940-1944
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée
Legende des Ursprungs :

Der Besatzer kann sich nicht nur auf die Bereitschaft individueller Bürger zum Verrat verlassen, sondern auch auf die kollaborierenden nationalsozialistischen Organisationen. So befiehlt der Leiter des Vlaams Nationaal Verbond (VNV), Staf De Clercq, bereits im Herbst 1940 seinen Bezirksleitern, systematisch Informationen über alle zu sammeln, die mit dem Besatzer nicht einer Meinung sind. Er gründet im August 1941 zudem einen Geheimdienst, um Widerstandskämpfer zu beschatten. Die Drohung, die von den Parteigängern des Besatzers ausgeht, ist der kräftigste Katalysator der zunehmenden Abneigung des Großteils der belgischen Bürger gegenüber der Kollaboration.

Aus eigenem Antrieb

Darüber hinaus wenden Kollaborateure auch aus eigenem Antrieb politische Gewalt an, wobei sie Juden oder Gegner angreifen. In ihrer nationalsozialistischen Ideologie wird Gewalt als positiv eingeschätzt. Die Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt nimmt zu, je mehr die Kollaborateure auf Widerstand stießen. So werden Kollaborateure, angestachelt durch den kommunistischen Widerstand, gewalttätige Rachezüge abhalten, und vor allem in Wallonien, Limburg und Brabant.

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Institution : AGR-CegeSoma
Sammlung : Photos des archives de la police judiciaire de Bruxelles en rapport avec les attentats, les sabotages et les vols ("Attentats Occipation"), 1940-1944
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée
Legende des Ursprungs :

Ostfrontkämpfer

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Institution : AGR-CegeSoma
Sammlung : Photos des archives de la police judiciaire de Bruxelles en rapport avec les attentats, les sabotages et les vols ("Attentats Occipation"), 1940-1944
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Schließlich nehmen belgische Kollaborateure als Freiwillige am Vernichtungskrieg im Osten teil. Ziel von Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion ist das Schaffen von ‚Lebensraum‘ für das deutsche Volk durch das Töten dutzender Millionen unerwünschter Menschen. Belgische Freiwillige nehmen teil an dieser Gewalt, z.B. an der Misshandlung und Tötung von Bürgern („Partisanen“), Juden und gefangenen Sowjetsoldaten, aber in welchem Maßstab dies geschah, ist unklar.

Bürgerkrieg

Die von den Kollaborateuren ausgehende Gewaltdrohung provoziert einen gewalttätigen Widerstand. Gegen Ende der Besatzung wird in bestimmten Teilen des Landes ein Bürgerkriegsklima entstehen. Auch davon sind die gewalttätigen Aktionen gegen Kollaborateure ein Ausläufer.

Bibliografie

Vrints, Antoon. « Patronen van polarisatie. Homicide in België tijdens de Tweede Wereldoorlog ». Cahiers d’Histoire du Temps Présent/Bijdragen tot de Eigentijdse Geschiedenis, no 15 (2005): 177‑204.


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