Belgien im Krieg / Artikel

Kino

Thema - Kollaboration

Verfasser : Vande Winkel Roel (Institution : KUL-CIMS)

Eine belgische Kinoreform

In den dreißiger Jahren ist die belgische Filmproduktion äußerst begrenzt. Auf der anderen Seite verfügt das Land über ein umfangreiches Netz an Kinos. Dort wurden hauptsächlich ausländische Filme gezeigt: deutsche und britische, vor allem aber amerikanische und französische. Während der Besatzungszeit wurde das belgische Kino unter der Leitung der Filmgruppe der Propaganda-Abteilung Belgien gründlich reformiert. Wie in anderen besetzten Gebieten auch, wurde der belgische Filmsektor ab Mai 1940 völlig neu auf Deutschland ausgerichtet. Es ist ein wirtschaftlicher Übernahmeprozess zum Nutzen der deutschen Filmindustrie und damit auch zum Nutzen des deutschen Staates, der Eigentümer aller großen deutschen Produktionsfirmen ist.

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Institution : CegeSoma
Sammlung : Sipho
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Première représentation du film "Alkazar" à Bruxelles. Ce film fait revivre un épisode de la lutte à Tolède des patriotes espagnols contre le bolchevisme. Cette première représentation a eu lieu en présence d'autorités militaires allemandes ainsi que des membres des ambassades d'Espagne et d'Italie. [Frei gegeben durch zensur]

Kulturpolitische Implikationen

Natürlich hat diese Übernahme ausländischer Filmmärkte politische und kulturelle Implikationen. Es wird angenommen, dass das Publikum, wenn es häufig deutsche Filme sieht, emotional und ideologisch näher an Deutschland herankommt. Aus diesem Grund ist es flämischen Kinos nicht erlaubt, deutsche Filme in französisch synchronisierten Fassungen zu zeigen. Auf jeden Fall sind auf dem flämischen Markt weniger französische Filme zugelassen als in Brüssel oder im französischsprachigen Belgien.

In den Augen der Deutschen erfüllen auch unpolitische, rein unterhaltende Filme eine Propagandafunktion. Man hofft natürlich auch, dass Filme, die explizit als Propagandawerkzeug gedacht sind, wie z.B. "Jud Süss" - mit antisemitischem Inhalt - ebenfalls eine Wirkung auf die Bevölkerung haben werden. Auch wenn die Kinobesuche während der Besatzungszeit regelrecht boomen und deutsche Stars wie Zarah Leander und Marika Rökk sehr erfolgreich sind, steigt die Sympathie für die Besatzer oder für Deutschland nicht nachhaltig.

Im besetzten Belgien muss jede Filmvorführung eine Nachrichtensequenz enthalten. In diesen "gefilmten Zeitungen" wird das Weltgeschehen aus einem reinen Propaganda-Blickwinkel der Öffentlichkeit präsentiert.

Théodore Louis, Cinéphile : « nous étions jeunes et il fallait quand même bien qu'on ait des divertissements » (Jours de guerre,28/09/1990, RTBF)

Belgische Filmproduktion

Die belgische Filmproduktion ist im besetzten Belgien fast nicht existent. Jan Vanderheyden und seine Lebensgefährtin Edith Kiel dürfen ein paar Spielfilme drehen, weil sie wirtschaftliche Mitarbeiter sind und in der Filmgilde eine Rolle spielen. Henri Storck und Charles Dekeukeleire gehören zu den wenigen Regisseuren, die von der Besatzungsmacht die Erlaubnis erhalten, kurze Kulturfilme zu drehen.

Bibliographie

Vande Winkel, Roel. « De Belgische cinema onder de Duitse bezetting (1940-1944): historisch onderzoek naar de grens tussen mythe en werkelijkheid ». In Magie van de cinema: Hollywood aan de Schelde, par Willy Magiels et Robbe De Hert, 31‑35. Antwerpen: Facet, 2004.

Vande Winkel, Roel. « Die Grosse Liebe - De Groote Liefde: Getuigenissen over de populariteit van Duitse film(sterren) in bezet België (1940-1944)" ». Mores: Tijdschrift voor Volkscultuur in Vlaanderen, 2004, 15‑20.

Vande Winkel, Roel, et David Welch. Cinema and the Swastika. The international expansion of the Third Reich Cinem. Hampshire - New York: Palgrave Macmillan, 2006.

Vande Winkel, Roel, and Dirk Van Engeland. Edith Kiel & Jan Vanderheyden. Pioniers van de Vlaamse Film. Bruxelles: Cinematek, 2014.

Vande Winkel, Roel. "Film Distribution in Occupied Belgium (1940–1944): German Film Politics and Its Implementation by the ‘Corporate’ Organisations and the Film Guild.” Tijdschrift Voor Mediageschiedenis 20 (2017): 46–77.

https://www.cinema-in-bezet-be...


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