Belgien im Krieg / Artikel

Korporatismus ("Ordnung der Wirtschaft")

Thema - Kollaboration

Verfasser : Luyten Dirk (Institution : CegeSoma)

Ab Februar 1941 erhalten alle Branchen einen offiziellen Arbeitgeberverband, genannt "(Haupt-)Gruppe" (z.B. Hauptgruppe Textil). Die Mitgliedschaft ist obligatorisch. Die Gruppen arbeiten nach dem Führerprinzip. Der Leiter trifft die Entscheidungen, unterstützt von einem Beirat, ist aber nur seinem hierarchischen Vorgesetzten gegenüber rechenschaftspflichtig. Obwohl diese formell belgische Institutionen und dem belgischen Wirtschaftsministerium unterstellt sind, sind die Gruppen eine Kopie dessen, was bereits in Nazi-Deutschland existiert.

Belgische Unternehmer sind bereit, führende Positionen in den Konzernen einzunehmen. Es entwickelte sich ein Konkurrenzkampf zwischen dem Comité Central Industriel (CCI), dem (französischsprachigen) Dachverband der Arbeitgeber, und dem Vlaams Economisch Verbond (Flämische Wirtschaftliche Interessenvereinigung), der in Flandern mit Unterstützung der Besatzungsmacht dem CCI Konkurrenz machen wollte. Dies gelang nicht: In den wichtigsten Wirtschaftsbereichen bleiben die Konzerne fest in der Hand der traditionellen belgischen Wirtschaftselite. Dies geschah übrigens auf Anraten des Galopin-Komitees, das eine Machtübernahme durch kollaborierende Parteien vermeiden wollte. Oft ist die Gruppe eine Kopie der Schirmherrn-Organisation des betreffenden Sektors (Verband) und die Leiter, Sekretäre und sogar die Mitarbeiter der Gruppe und des Verbandes sind die selben Personen. Durch die Pflichtmitgliedschaft kann der Verband, bei dem die Mitgliedschaft freiwillig ist, seine Anhängerschaft erweitern.

Bibliographie

Luyten, Dirk. Ideologie En Praktijk van Het Corporatisme Tijdens de Tweede Wereldoorlog in België. Brussel: VUB Press, 1997.

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