Belgien im Krieg / Artikel

Zivile Säuberung

Thema - Kollaboration - Justiz

Verfasser : Dumont Amandine (Institution : UCL)

Am Ende des Zweiten Weltkrieges ist die zivile Säuberung eine der Möglichkeiten Kollaborateure zu bestrafen. Sie beginnt wenige Monate nach Kriegsende im Herbst 1945. Dabei hatte die Säuberung zwei Ziele: die Rate der Verfolgungshäufigkeit zu erhöhen und mit den "kleinen Kollaborateuren" umzugehen.

Differenzierte Repression

Das Gesetzesdekret (auf Initiative von militärischen Prüfern) vom 19. September 1945 führte eine besondere Sanktion für die "leichteren" Fälle der Kollaboration ein: der Ausschluss von bürgerlichen und politischen Rechten. Dabei erstellt die militärische Prüfung Register von "kleinen Kollaborateuren und können ihnen alle oder Teile ihrer politischen Rechte auf Lebenszeit oder für zwanzig Jahre entziehen, ohne dies durch ein Kriegsgericht abzusegnen. Die von dieser Sanktionsmaßnahme betroffenen Personen sind hauptsächlich Anhänger von Parteien und Organisationen, die mit den deutschen Besatzern kollaborierten. Diese Maßnahme hatte eine große Wirkung: auf den belgischen Ausscheidungslisten fanden sich 43.093 Personen.

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Non légendée

Einspruch und Berufung

Eine Reihe von Verfahren ermöglicht es jedoch denjenigen, die ihre Rechte verloren haben, sie wiederzuerlangen. Sie können sich gegen die Aberkennung ihrer Rechte vor dem erstinstanzlichen Gericht ihres Bezirks wehren. Wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Rechte zurückzubekommen, können die Wiederherstellungsgesetze vom 14. Juni 1948 und 29. Februar 1952 neue Möglichkeiten bieten, von der Ausscheidungsliste gestrichen zu werden. Doch erst mit dem Gesetz vom 30. Juni 1961 erhielten alle Personen, die noch von dieser Säuberung betroffen waren, ihre Rechte zurück. Einige Bürger wurden dadurch für lange Zeit aus der Gesellschaft verbannt.

Une série de procédures offrent toutefois l’occasion aux ‘épurés’ de recouvrer leurs droits. Ils peuvent s’opposer à leur déchéance devant le tribunal de première instance de leur arrondissement. S’ils n’ont pas obtenu gain de cause, les lois correctrices du 14 juin 1948 et du 29 février 1952 leur donnent des opportunités nouvelles d’être biffés de la liste d’épuration. Ce n’est toutefois qu’avec la loi du 30 juin 1961 que toutes les personnes encore concernées par l’épuration recouvrent leurs droits. Certaines personnes se sont donc retrouvées au ban de la société pendant de très longues années.

Bibliographie

Dumont, Amandine. “Le ‘Long’ Parcours Des Épurés de l’arrondissement Judiciaire de Mons : De La Déchéance Au Recouvrement Des Droits (1945-1961).” In Mons Dans La Tourmente: Justice et Société à l’épreuve Des Guerres Mondiales (1914-1961), edited by Amandine Dumont, Amandine Thiry, and Xavier Rousseaux, 185–219. Histoire, Justice, Sociétés. Louvain-la-Neuve: Presses universitaires de Louvain, 2016.

Huyse, Luc, and Steven Dhondt. La Répression Des Collaborations 1942-1952 : Un Passé Toujours Présent. Bruxelles: CRISP, 1993.

Aerts, Koen.“Repressie Zonder Maat of Einde?” De Juridische Reïntegratie van Collaborateurs in de Belgische Staat Na de Tweede Wereldoorlog. Gent: Academia Press, 2014.


Um mehr zu erfahren...

163793.jpg Artikel Die Säuberung und die Strafverfolgung der Kollaboration Aerts Koen
574745.jpg Artikel Luyten Dirk