Belgien im Krieg / Artikel

Entwaffnung des Widerstands

Thema - Widerstand

Verfasser : Colignon Alain (Institution : CegeSoma)

Altes Misstrauen

Schon während der Besatzung waren die Beziehungen zwischen der Exilregierung Pierlot und den Widerstandsbewegungen von einem gewissen Misstrauen geprägt. Die belgische Exilregierung war gegenüber den sehr rechts wahrgenommenen Bewegungen (wie die Geheimarmee) sowie auch von den als sehr linken Bewegungen (wie etwa die Unabhängigkeitsfront FI, OR) misstrauisch. 

Unmittelbar nach der Befreiung waren die "progressivsten" Widerstandsgruppen (Unabhängigkeitsfront sowie Bewaffnete Partisanen) zunehmend mit den politischen und sozialen Entscheidungen der Regierung nicht einverstanden. Abgesehen von diesen progressiven und prokommunistischen Widerstandsgruppen gab es jenes Frustrationsgefühl auch im eher rechten Teil des Widerstands, mit Ausnahme der Geheimen Armee, der Weißen Brigade und der Belgischen Nationalbewegung. Die Befreiungskämpfe waren auch zeitlich sehr begrenzt gewesen (man brauchte nur etwas mehr als zehn Tage um 90 % des Territoriums einzunehmen) und die "Schattenkämpfer" hatten keine Gelegenheit gehabt, in die Kampfhandlungen einzugreifen. An mehreren Stellen an der Befreiung beteiligt, genossen die alliierten Truppen und die Piron-Brigade dabei das meiste Prestige (im Gegensatz zu den WIderstandsgruppen), während sich die Wehrmacht schnell auf den Westwall zurückzog.

Durant l’occupation déjà, les relations entre le gouvernement Pierlot et les mouvements de résistance étaient empreintes d’une certaine méfiance. Pour les autorités belges, tant les mouvements étiquetés très à droite (comme l’Armée secrète) que très à gauche (comme le Front de l’Indépendance) étaient suspects. 

Dès le lendemain de la Libération, les éléments les plus « avancés » de la Résistance (Front de l’Indépendance, Partisans Armés) se sentent de moins en moins en phase avec les options politiques et sociales du gouvernement. Qui plus est, au-delà de ces  milieux progressistes ou communisants, toute une frange de cette même résistance parfois orientée franchement à droite, l’Armée Secrète, la Witte Brigade et le Mouvement National Belge exceptés, partagent aussi un vif sentiment de frustration. Les combats de la Libération ont été très limités dans le temps (une bonne dizaine de jours sur 90% du territoire) et les « combattants de l’ombre » n’ont guère eu le temps d’intervenir sur le terrain. Même s’ils ont joué en divers lieux un rôle dans la Libération, ce sont les troupes alliées et la Brigade Piron qui bénéficient de l’essentiel du prestige tandis que la Wehrmacht se retirait rapidement vers le Westwall. 

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Retour du gouvernement belge, Bruxelles 8 septembre 1944

Widerstand mit gewissen Störungen

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Institution : CegeSoma
Sammlung : Libération de Bruxelles
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Le désarmement de la Résistance, un enjeur majeur de la Libération

Die öffentliche Meinung über die Widerstandsbewegungen bekam zusätzlich einen Dämpfer, da ihre exzessive Teilnahme an der, sich in den ersten Tagen nach der Befreiung entwickelnde Volksrepression gegen (mutmaßliche) Kollaborateure negativ aufgenommen wurde.

Einige Widerstandsmitglieder sind auch davon überzeugt, dass der angestrebte gesellschaftspolitische Wandel nicht eintreten wird und die Regierung stattdessen versucht, die alte Ordnung wiederherzustellen und damit vor allem die Präsenz des Widerstands im öffentlichen Raum einschränken will. In ihren Bemühungen um die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit weiß die Regierung Pierlot, dass sie von den alliierten Behörden (SHAEF) volle Unterstützung genießt, die eine kommunistische Subversion wie in Griechenland verhindern wollen.

Anders ausgedrückt, die Widerstandskämpfer sind nun nicht mehr die neuen militärischen Kader der befreiten Nation, sondern werden mit ihren notdürftigen Uniformen und ihrer Waffenzurschaustellung im öffentlichen Raum schnell als die Quelle potenzieller Unruhen wahrgenommen, vor allem, wenn sie als "Hilfspolizisten" der Justizbehörden - insbesondere der Bürgermeister - eingesetzt werden, was durch einen ministeriellen Runderlass am 24. August ohne jeglichen Hintergedanken genehmigt worden war...

Kapitulieren obwohl der Krieg weitergeht?

Bald folgt eine Reihe von Regierungsdekreten, um den Widerstand einzuschränken, zu kontrollieren und schließlich zu entwaffnen, sobald die gesäuberte und aufgerüstete Gendarmerie die Mittel dazu hat. 

Bereits am 12. September versucht die Regierung mittels eines Gesetzesdekrets, den "bewaffneten Widerstand" zu befriedigen, ihn aber gleichzeitig zu neutralisieren. Acht wichtige Organisationen erhalten dabei eine Form der offiziellen Anerkennung. Das Dekret sieht auch die Zahlung eines Tagegeldes von 40 Francs an jedes als solches anerkannte Mitglied vor (Ende September 1944 gibt es etwa 70.000 "bewaffnete Widerständler", darunter 25.000 Mitglieder der "Unabhängigkeitsfront (FI, OF)" und 35.000 Mitglieder der "Geheimen Armee"). General Yvan Gerard wird außerdem zum alleinigen Befehlshaber aller "belgischen Inlandstruppen" ernannt. Dies ist nur der erste Schritt. Am 2. Oktober zollt Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten SHAEF, den Widerstandskämpfern Anerkennung für ihre früheren Aktionen. Daraufhin verkündete er, dass ihr Kampf beendet sei und sie ihre Waffen an die legalen Behörden zurückgeben sollten. Aber nicht alle Widerstandskämpfer fügen sich, denn ihrer Meinung nach ist der Krieg noch nicht vorbei. Trotzdem befiehlt General Pire, der Chef der Geheimarmee, seinen Truppen, die Befehle der Alliierten zu befolgen. Dabei gehorcht nicht jeder.

Am 31. Oktober beschloss die Regierung mit anglo-amerikanischer Unterstützung, dass ein Kontingent von 40.000 Widerstandskämpfern der Armee, der Polizei oder der Gendarmerie beitreten konnte, bevor sie am 13. November ein neues Gesetzesdekret erließ, das die vollständige Entwaffnung der Widerstandsgruppen bis spätestens 20. November anordnete.


Une série de dispositions gouvernementales vont se succéder en un laps de temps réduit pour encadrer, contrôler et finalement désarmer la résistance, une fois que la gendarmerie, épurée et réarmée disposera des moyens pour le faire.

Dès le 12 septembre, un arrêté-loi cherche à s’attirer les bonnes grâces de la « résistance armée » (tout en la neutralisant). Une forme de reconnaissance officielle est octroyée à ses huit principales organisations. Le dispositif prévoit également le versement d’une indemnité journalière de 40 francs à chacun des membres reconnus comme tels (fin septembre ’44, on dénombre plus ou moins 70.000 « résistants armé », dont 25.000 membres pour le « F.I. » et 35.000 membres pour l’ « A.S. »). Le général Yvan Gérard est par ailleurs désigné en tant que commandant unique de toutes les « troupes belges de l’Intérieur ». Ce n’est qu’une première étape. Le 2 octobre, Dwight D. Eisenhower, commandant suprême du SHAEF, rend un vibrant hommage aux résistants pour leurs actions passées. Et dans la foulée, il leur annonce que leur combat s’achève, qu’ils doivent restituer les armes aux autorités légales, un message qui sera répété. Mais tous les résistants ne l’entendent pas de cette oreille d’autant plus, estiment-ils, que la guerre n’est pas finie…Néanmoins, le général Pire, le chef de l’Armée secrète ordonne à ses troupes d’obtempérer aux injonctions alliées. Tous n’obéissent pas.

Le 31 octobre, fort de l’appui anglo-américain, le gouvernement fixe à 40.000 hommes le contingent de résistants à incorporer dans l’armée régulière, la police ou la gendarmerie, avant de promulguer le 13 novembre un nouvel arrêté-loi décrétant le désarmement total des formations liées à la Résistance pour le 20 novembre au plus tard.

Revolution?

Es wurde zu viel für die Kommunistische Partei Belgiens. Ihre Minister traten am 13. November zurück, als sich Unruhen in Brüssel und in den wallonischen Industrieregionen über die von den Kommunisten unterwanderten gewerkschaftlichen Kampfkomitees ausbreiteten. In der Hauptstadt findet am 25. November eine große Protestdemonstration im Namen des "Widerstands" (in Wirklichkeit nur des linken Flügels) statt. Mehrere tausend Menschen versammeln sich in der "neutralen Zone" und rufen "Demany an die Macht". Mit großem Sicherheitskraftaufgebot sind Gendarmerie und Polizei anwesend um die Umgebung der Ministerien und des Parlaments zu schützen. Nicht weit weg steht die britische Militärpolizei bereit. Es kommt zu heftigen Zusammenstößen und die Gendarmerie setzt ihre Waffen ein. Die Demonstranten werden zurückgedrängt und lösen sich auf. Es gibt mehr als dreißig Verletzte bei den Demonstranten und etwa fünfzehn bei der Polizei. Obwohl das Schlimmste verhindert wurde, bleibt die Situation weiter angespannt. Die Unruhen scheinen sich auf die Provinz im Süden des Landes auszuweiten. Gerüchte beginnen zu kursieren, dass die Bergarbeiter im Hennegau, angespornt von der Kommunistischen Partei, massenhaft revoltieren würden, nach dem Beispiel der wilden Streiks des späten 19. Jahrhunderts und der Arbeiterunruhen von 1932. Am 28. November informierte der panische örtliche Leiter der "Hohen Kommission für Nationale Sicherheit" seine Vorgesetzten, dass nicht weniger als fünf bewaffnete Konvois des "bewaffneten Widerstands" und der "Unabhängigkeitsfront" auf dem Weg in die Hauptstadt seien, um die Ministerien und die Telefonzentralen zu übernehmen. Er schätzte die Zahl der Störenfriede auf etwa 6000. Es wird bald klar, dass diese Einschätzung übertrieben ist. Die Randalierer (ein paar Dutzend) werden schnell gestoppt. Die Mobilisierung blieb weit hinter den Ambitionen der Initiatoren der Bewegung zurück. Die Arbeiterklasse hat andere Prioritäten.

Dans les rangs du Parti communiste de Belgique, c’en est trop. Ses ministres démissionnent le 13 novembre tandis que l’agitation monte à Bruxelles et dans les bassins industriels wallons via les Comités de Lutte Syndicale noyautés par les communistes. Une grande manifestation de protestation se tient dans la capitale le 25 novembre à l’appel « de la Résistance » (en fait, de son aile gauche). Plusieurs milliers de personnes convergent vers la « zone neutre » aux cris de « Demany au pouvoir ». Les forces de l’ordre sont présentes en nombre, pour protéger le quartier des ministères et du Parlement. La police militaire britannique n’est pas loin non plus. Des échauffourées ont lieu et la gendarmerie fait usage de ses armes. Refoulés, les manifestants finissent par se disperser. On relève plus de trente blessés du côté des manifestants et une quinzaine du côté des forces de l’ordre. Si le pire a été évité, la situation reste tendue. L’agitation semble se déplacer en province, dans le sud du pays. Echos des grèves sauvages du XIXème siècle finissant et des émeutes ouvrières  de 1932, des rumeurs se mettent à circuler sur une levée en masse imminente des mineurs hennuyers encadrés par le P.C.B. . Le 28 novembre, perdant la tête, le responsable local du Haut-Commissariat à la Sécurité de l’Etat annonce à ses supérieurs que pas moins de cinq convois de « PA » et de « FI » armés se dirigent vers la capitale pour s’emparer des ministères et des centrales téléphoniques. Il estime le nombre des fauteurs de troubles à 6000 environ. Il apparaît rapidement que cette évaluation est exagérée. Les émeutiers (quelques dizaines…) sont rapidement interceptés dans leur élan. La mobilisation est loin d’avoir été à la hauteur des initiateurs du mouvement. De toute évidence, les priorités de la classe ouvrière sont autres.

 

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Manifestation du 25 novembre 1944

Bibliographie

Colignon Alain, "75 jaar geleden: het verzet ontwapend en politiek uitgeschakeld", https://www.vrt.be/vrtnws/nl/2...

Martin Conway, Les chagrins de la Belgique : libération et reconstruction politique 1944-1947, Bruxelles : CRiSP, 2015. 

Gotovitch, José. Du Rouge au Tricolore : les Communistes Belges de 1939 à 1944 : un aspect de l’histoire de la Résistance en Belgique. Bruxelles: Labor, 1992.

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