Belgien im Krieg / Artikel

Zwangssoldaten (Ostkantone)

Thema - Kollaboration

Verfasser : Brüll Christoph (Institution : ULG)

Die Einziehung in die Wehrmacht und ihre Konsequenzen

Die Auferlegung der deutschen Staatsangehörigkeit für die Bewohner von Eupen-Malmedy-Moresnet im September 1941 hatte die sofortige Aktivierung des Einziehungsprozesses der jungen Männer in die Wehrmacht zur Folge. Mehrere hundert Freiwillige waren jedoch schon zwischen Mai 1940 und September 1941 in die deutsche Armee eingetreten.

Insgesamt trugen rund 8.700 Soldaten die deutsche Uniform, wovon ein bedeutender Anteil den Achtzehn-Tage-Feldzug schon in der belgischen Armee absolviert hatte. Zwischen 3.200 und 3.400 dieser Männer kamen nicht von den Schlachtfeldern zurück. Ein Großteil hatte an der Ostfront gekämpft – aus militärischer Notwendigkeit und nicht, weil man ihnen misstraut hätte, wie es in der Nachkriegszeit oftmals kolportiert wurde.

Enrolé de force-ZVS 2
Institution : Zwischen Venn und Schneifel
Urheberrecht : Zwischen Venn und Schneifel
Legende des Ursprungs : Non légendée

Die Nachkriegszeit: zwischen dem Kampf für Entschädigungen und Opferdiskursen

Der Begriff „Zwangssoldat“ wurde 1945 von den Brüsseler Behörden erstmals verwendet. Er betont den Pflichtcharakter ihres Engagements und unterschied sie gleichzeitig von den flämischen und wallonischen Freiwilligen in Wehrmacht und Waffen-SS.

Anschließend wurde er vor allem von den Betroffenenverbänden in ihrem Kampf zur Erlangung eines Rechtsstatus und einer Entschädigung von deutscher Seite benutzt, trug jedoch auch zur Entwicklung des Opferdiskurses in der Region bei.

Obwohl Deutschland bereits 1963 eine finanzielle Entschädigung bereitstellte, dauerte es bis 1974, ehe das belgische Parlament ein „Statut“ für die Wehrmachtsoldaten, aber auch für Verweigerer („Refraktäre“) beschloss – unter Ausschluss der Freiwilligen. Die finanziellen Entschädigungen wurden schließlich seit 1989 ausgezahlt.

Bibliographie

Brüll, Christoph. “Les « enrôlés de force » dans la Wehrmacht – un symbole du passé mouvementé des belges germanophones au xxe siècle.” Guerres mondiales et conflits contemporains 1, no. 241 (2011): 63–74.

Dewald, Nicolas. “L’indemnisation Des Enrôlés de Force Dans l’armée Allemande.” MA Thesis, Université de Liège, 2005.

Quadflieg, Peter M. Zwangssoldaten “Und ”Ons Jongen" : Eupen-Malmedy Und Luxemburg Als Rekrutierungsgebiet Der Deutschen Wehrmacht Im Zweiten Weltkrieg. Aix-la-Chapelle: Shaker, 2008.


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