Belgien im Krieg / Artikel

Das Gilles Komitee

Thema - Widerstand

Verfasser : Maerten Fabrice (Institution : CegeSoma)

Dieses im Sommer 1942 im besetzten Belgien eingerichtete "Politische Widerstandskomitee" versorgte die Regierung in London mit zuverlässigen Informationen über die allgemeine Lage im besetzten Belgien, um die gesellschaftliche Neuordnung nach der Befreiung vorzubereiten.

Die Entstehung des Komitees

Im Januar 1942 vertraut der Katholik Antoine Delfosse, der einzige Minister, der im Frühjahr 1940 in Belgien im Amt war, seinem Freund, dem Juristen Nicolas Monami, eine Nachricht an die belgische Exilregierung in London an, da dieser auf dem Weg nach England war. In dieser Botschaft bittet Delfosse die Regierung, ihm zu erlauben, ihr Mandatar in dem besetzten Land zu werden und in dieser Eigenschaft autorisierte politische Beratung zu geben und Haushaltsausgaben im Namen der Regierung zu tätigen. Premierminister Hubert Pierlot gab ihm durch Nicolas Monami, der im Mai 1942 wieder mit dem Fallschirm im besetzten Belgien abgesetzt wurde, eine positive Antwort. Auf diese Weise wollte Pierlot neben dem Komitee, das seit Mitte Mai vom Gouverneur der Société Générale, Alexandre Galopin, geleitet wird, eine zuverlässige Quelle im besetzten Land haben. In der Tat begann die von Pierlot verfolgte "Wirtschaftspolitik des kleineren Übels" in einem für die Alliierten immer günstigeren Klima die belgische Regierung immer mehr zu verärgern. Antoine Delfosse hatte jedoch kaum Zeit gehabt, die Umrisse der neuen Struktur zu entwerfen, als er nach London fliehen musste, da er sich nach der Verhaftung von Monami am 23. Juni 1942 zunehmend bedroht fühlte.

En janvier 1942, le catholique Antoine Delfosse, seul ministre en poste au printemps 1940 resté en Belgique, confie un message pour le go belgische Exilregierung in London uvernement belge de Londres à son ami l’avocat Nicolas Monami, parti rejoindre l’Angleterre. Dans cette missive, Delfosse demande au gouvernement de pouvoir devenir son mandataire en pays occupé et, à ce titre, de pouvoir donner des conseils politiques autorisés et engager des dépenses budgétaires en son nom. Le Premier ministre Hubert Pierlot lui répond de manière favorable par le biais du même Nicolas Monami, parachuté en mai 1942. Pierlot souhaite ainsi disposer d’un relais fiable dans le pays, à côté du comité dirigé depuis la mi-mai 1940 par le gouverneur de la Société générale, Alexandre Galopin, dont la politique économique du moindre mal commence à embarrasser le gouvernement belge dans un contexte de plus en plus favorable aux puissances alliées. Mais à peine Antoine Delfosse a-t-il le temps d’esquisser les contours de la nouvelle structure qu’il fuit la Belgique pour Londres, se sentant menacé par l’arrestation, le 23 juin 1942, de Monami.

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Antoine Delfosse, s.d.

Die Zusammensetzung

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Institution : Cegesoma
Legende des Ursprungs : Ganshof van der Meersch

Die neue Organisation, die sich zunächst "Comité National" und sich bald danach in "Comité Gilles" umbenennt, versammelt nach Delfosses Abgang zunächst fünf und ab Herbst 1942 sieben Mitglieder aus denen das Land regierenden wirtschaftlichen, juristischen und politischen Kreisen. Diese waren, in alphabetischer Reihenfolge: der ehemalige Kabinettschef von Antoine Delfosse, Jacques Basyn, der katholische flämische Senator Edgard De Bruyn, der Jurist und Professor an der Katholischen Universität Löwen Charles De Visscher, der sozialistische flämische Senator Herman Vos und der Generalauditor am Militärgericht und Professor an der ULB, Walter Ganshof van der Meersch. Nach dem Herbst 1942 schlossen sich ihnen auch der Industrielle und flämisch-katholische Politiker Léon Bekaert und der Lütticher Industrielle Jules Delruelle an. Als Ganshof, von Verhaftung bedroht, im Juni 1943 das Land verlassen muss und nach London flieht, wird er durch Willy Loppens, Anwalt am Brüsseler Appellationsgericht, ersetzt.

Diese Männer, hauptsächlich Katholiken, wählten Charles De Visscher zu ihrem Präsidenten. Letzterer und einige der Mitglieder, darunter wahrscheinlich Jules Delruelle, Walter Ganshof van der Meersch und dann sein Nachfolger Willy Loppens, zuständig für die Kontakte mit der belgischen Exilregierung in London, bilden den festen Kern des Komitees. Léon Bekaert spielt eine besondere Rolle als Bindeglied zwischen dem "Gilles-Komitee" und dem "Galopin-Komitee", dem er ebenfalls angehört. Charles De Visscher ist auch in regelmäßigem Kontakt mit Alexandre Galopin. Schließlich treten eine Reihe von Persönlichkeiten aus der Wirtschafts-, Rechts- und Widerstandswelt als Informanten auf.

Die Aktivitäten

Von Anfang an genoss das Gilles-Komitee das Vertrauen Londons, vor allem dank Antoine Delfosse, der nach seiner Ankunft in London im Oktober 1942 Minister für Justiz, nationale Information und der Propaganda wurde. Das Komitee war daher der bevorzugte Gesprächspartner der Regierung Pierlot im besetzten Belgien. Das Komitee hatte eine doppelte Aufgabe: Einerseits die Regierung über die politische, wirtschaftliche und soziale Lage des Landes zu informieren, um ihr zu helfen, Entscheidungen über den Verlauf des Krieges und dem Wiederaufbau des Landes unmittelbar nach dem Krieg zu treffen (Währungsreform, Unterdrückung der Kollaboration, Ernennung hoher Beamter), und es erhält militärische, wirtschaftliche und politische Informationen über die Entwicklung der Feindseligkeiten sowie Direktiven für die der Regierung übertragenen Aufgaben. Das Gilles-Komitee war an der finanziellen Unterstützung von untergetauchten Juden und Arbeitsverweigerern beteiligt, ebenso wie an der Mission des Fallschirmagenten François De Kinder, der im Januar 1944 den Kontakt zwischen der Regierung und König Leopold III. wiederherstellen sollte. Das Komitee wurde auch gebeten, zwischen Unabhängigkeitsfront und der zukünftigen Geheimarmee zu vermitteln, angesichts der angespannten Atmosphäre zwischen den beiden Organisationen. Über diesen Kanal wurden schließlich auch die von Alexandre Galopin verfassten Wirtschaftsberichte regelmäßig an die Regierung übermittelt, bis zu seiner Ermordung durch Kollaborateure am 28. Februar 1944.


Le comité Gilles dispose dès le départ de la confiance du gouvernement belge de Londres, grâce notamment à Antoine Delfosse, devenu dès son arrivée en Angleterre en octobre 1942 ministre de la Justice, de l’Information nationale et de la Propaga Propaganda nda. Le comité est dès lors l’interlocuteur privilégié du gouvernement Pierlot en Belgique occupée. Sa mission est double : éclairer, par ses informations et ses conseils, le gouvernement sur la situation politique, économique et sociale dans le pays afin d’aider celui-ci dans les décisions à prendre relatives à la poursuite de la guerre et à la reprise en mains du pays dans l’immédiat après-guerre (réforme monétaire, répression de la collaboration, nominations de hauts fonctionnaires) ; recevoir du gouvernement des informations de caractère militaire, économique et politique sur l’évolution des hostilités et ses directives en vue des missions qui lui sont confiées. Ainsi, le comité Gilles est notamment impliqué dans la mise en œuvre du soutien financier accordé aux Juifs contraints à la clandestinité et aux réfractaires au travail obligatoire, ainsi que dans la mission de l’agent parachuté François De Kinder destinée en janvier 1944 à renouer le contact entre le gouvernement et le roi Léopold III. Par ailleurs, le comité est appelé à la même époque à arbitrer les tensions entre le Front de l’indépendance et la future Armée secrète. Enfin, c’est par son canal que transitent régulièrement les rapports de nature économique fournis par Alexandre Galopin au gouvernement jusqu’à son assassinat par des collaborateurs le 28 février 1944.

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : François De Kinde, s.d.

Die Kommunikation mit London

Da das Komitee der Eckpfeiler der Kontakte der Pierlot-Administration ist, wird die Verbindung mit London durch die Geheimdienste Zéro und vor allem Clarence sichergestellt, die ihre Telegrafen- und Postsysteme dem Comité Gilles zur Verfügung stellen. Erleichtert wird dieser Prozess durch die Mitgliedschaft von Jules Delruelle bei Clarence und die von Walter Ganshof van der Meersch bei Zéro. Die nach England gesendeten Berichte erreichen den Secret Intelligence Service, den britischen Geheimdienst und, was nur die belgischen Behörden betrifft, Hubert Pierlot, Antoine Delfosse und, ab seiner Ankunft in England, Walter Ganshof van der Meersch, der Hochkommissar für nationale Sicherheit wurde. Umgekehrt wurden Informationen oder Fragen der belgischen Regierung an Charles De Visscher und vor allem an Willy Loppens weitergeleitet, der nach Ganshofs Abreise nach London zum Mittelpunkt des Komitees wurde.

Die Tätigkeit des Komitees dauerte ununterbrochen bis zur Befreiung. Von der großen Wertschätzung der belgischen Regierung in London zeugt die Tatsache, dass alle Mitglieder am 2. Dezember 1944 zu einem Empfang im Haus von Hubert Pierlot eingeladen waren.

Bibliographie

Ganshof van der Meersch, Walter, “Charles De Visscher”, in Annuaire de l’Académie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique, 1981, p. 115-166 et spécialement p. 149-153.

Grosbois, Thierry, Pierlot 1930-1950, Bruxelles, Racine, 2007, p. 267-271.

Strubbe, Fernand, Services secrets belges 1940-1945, Gand, Union des services de renseignement et d’action, [1997], p. 314-317. [en néerlandais : Geheime oorlog 40/45. De Inlichtings- en Actiediensten in België, Tielt, Lannoo, 1992, p. 261-263.]

Van Crombrugge, Yaëlle, Les espions Zéro dans l’ombre du pouvoir 1940-1944, Bruxelles, Racine, 2013, p. 97-102.

Verhoeyen, Etienne, La Belgique occupée. De l’an 40 à la Libération, Bruxelles, De Boeck-Wesmael, 1994, p. 460-463. [en néerlandais, België bezet 1940-1944. Een synthese, Brussel, BRTN-Instructieve Omroep, 1993, p. 350-352]

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