Belgien im Krieg / Artikel

Informationsverwaltung

Thema - Kollaboration

Verfasser : Wouters Nico (Institution : CegeSoma)

Effizientes Informationsmanagement ist in der Verwaltung moderner Staaten unerlässlich. Im Falle einer Besatzung ist jedoch die Weitergabe von Informationen von belgischen an deutsche Behörden problematisch.

Beschreibung

Ab Mai 1940 mussten die belgischen und deutschen Behörden das Land gemeinsam regieren. Belgische und deutsche Dienste waren daher sofort miteinander verwoben. Damit ging die Übermittlung von Massen an offiziellen Berichten, Aufzeichnungen, Antworten auf spezifische Fragen einher. Auf diese Weise erhalten die deutschen Ordnungs- und Sicherheitsdienste Informationen über belgische Staatsbürger und Einwohner, die sie möglicherweise für ihre Repressionen nutzen können. Das Problem ist bereits schnell aktuell, zum Beispiel bei der Verwaltung von Informationen über Juden. Akut wurde es für die belgischen Verwalter aber erst nach der Einführung der Zwangsarbeit in Deutschland (6. Oktober 1942). Sie wurde zu einem der wichtigsten und langwierigsten Probleme für die Verwalter während der deutschen Besatzung.

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Institution : Archives de l'Etat, Beveren
Sammlung : Archief van het Parket bij de Rechtbank van Eerste Aanleg te Mechelen
Urheberrecht : AGR
Legende des Ursprungs : 1651: Taken en opdrachten in strafzaken: dossiers zonder gevolg.
Legende des Ursprungs : Exemple d'un procès-verbal

Bedeutung

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Institution : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Non légendée

Dieses Problem illustriert gut die Spannung zwischen der Realität der Zusammenarbeit mit den Besatzungsmächten und dem, was im belgischen Strafrecht als "Denunziation" gilt. Es ist auch ein interessanter Maßstab für das Problem der so genannten "Autonomie", die eine Regierung (Verwaltung, Justiz, Polizei usw.) während einer Besatzung aufrechterhalten kann oder nicht. Vor allem aber zeigt es, wie wichtig die individuellen Entscheidungen während der Besatzung sind. Die Verwaltungen haben einen Spielraum bei der Entscheidung, welche Informationen sie an die Deutschen weitergeben oder nicht.

Nach dem Krieg

Nur wenige belgische Beamte werden, wenn überhaupt, auf der Grundlage von Artikel 121 ("Denunziation") verurteilt. Dies geschieht nur bei kollaborierenden Sachbearbeitern, die ganz explizit Informationen über politische Gegner an die deutschen Sicherheitsdienste weitergegeben haben. Das Informationsmanagement wird nach der Befreiung nicht systematisch problematisiert.

Bibliografie

Wouters, Nico. Mayoral collaboration under Nazi occupation in Belgium, the Netherlands and France, 1938-1946. Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2016.

Zurné, Jan Julia. Tussen Twee Vuren. Gerecht En Verzet Tijdens de Tweede Wereldoorlog. Tielt: Lannoo, 2017.


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