Belgien im Krieg / Artikel

Militärische Kollaboration

Thema - Kollaboration

Verfasser : De Wever Bruno (Institution : UGent)

Zusammenarbeit mit dem Besatzer in Form einer Mitgliedschaft von Militärorganisationen, die im besetzten Land oder an den deutschen Kriegsfronten eingesetzt werden.

Ostfront und Kriegsmarine

Nach dem Angriff auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) werden im besetzten Europa antikommunistische Legionen gegründet. In Belgien entstehen entlang der Linien der politischen Kollaboration die „Vlaams Legioen (VNV – Flämische Legion) und die „Légion Wallonne“ (Rex – Wallonische Legion), die jeweils im Rahmen der Waffen-SS und der Wehrmacht an der Ostfront eingesetzt werden. Ab 1943 wird auch die Wallonische Legion als Sturmbrigade (später Division) Wallonien in der Waffen-SS eingesetzt, neben der Flämischen Sturmbrigade (später Division) Langemarck. Insgesamt treten 10.000 Flamen und 8.000 französischsprachige Belgier in den Dienst der genannten Einheiten. Ab 1943 melden sich rund 700 Belgier, größtenteils Flamen, zur deutschen Kriegsmarine.

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Legende des Ursprungs : Aerts, Koen, Dirk Luyten, Bart Willems, and Paul Drossens. Papy Était-Il Un Nazi? Sur Les Traces D’un Passé de Guerre. Racine. Bruxelles, 2017.

Hilfstruppen des Besatzers

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Algemene SS Vlaanderen, Maria-ter-Heide

In Belgien werden Formationen gegründet, um Aufgaben des Besatzungsheers zu übernehmen, und zwar die „Vlaamse Wacht“ und die „Garde wallonne“. Die Luftwaffe verfügt mit der Fabrikwacht (1943 in „Vlaamse Wachtbrigade“ umbenannt und 1944 in „Flakbrigade“) über eine eigene Formation. Sie erfüllen Bewachungsaufträge und werden gegen den Widerstand eingesetzt. Nach der Befreiung Belgiens ziehen die Einheiten nach Deutschland, wo die meisten Mitglieder in die Waffen-SS einverleibt werden. Ungefähr 8.500 Belgier gehören den Hilfstruppen des Besatzers an. Ein Teil ist politisch motiviert, aber viele treten in den Dienst, um das tägliche Brot zu verdienen oder der Zwangsarbeit zu entkommen.

Fahrer, Mechaniker und Bauarbeiten an den deutschen Fronten

Ab März 1941 wird in Belgien für das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) geworben. Die Freiwilligen werden als Fahrer und Mechaniker an den deutschen Fronten und den besetzten Gebieten zum Transport von Material, Munition und Soldaten eingesetzt. Sie sind häufig bewaffnet und dienen meistens an der Ostfront. Mindestens 4.000 Belgier werden wegen militärischer Kollaboration im NSKK verurteilt.

Tausende Belgier treten in die Organisation Todt (OT) ein, um Bauarbeiten an den deutschen Fronten auszuführen, u. a. beim Atlantikwall. An der Ostfront sind sie häufig bewaffnet, um sich gegen Partisanen zu verteidigen. Mindestens 3.000 Belgier werden wegen militärischer Kollaboration in der OT verurteilt.

Viele OT- und NSKK-Mitglieder treten nach Ablauf ihres Vertrags in den Dienst einer paramilitärischen Formation oder der Waffen-SS.

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : (NSKK staat klaar. 21 juli 42)

40.000 Waffenträger

Nach dem Krieg werden ungefähr 40.000 Belgier wegen Waffentragens gegen Belgien verurteilt, wodurch diese Form der Kollaboration die bei weitem  verbreiteteste ist. Es sind nicht alles militärische Kollaborateure, da auch Mitglieder kollaborierender Polizeieinheiten und bewaffnete politische Kollaborateure wegen Waffentragens verurteilt werden.

Bibliografie

De Wever, Bruno. “Militaire Collaboratie in België Tijdens de Tweede Wereldoorlog.” Bijdragen En Mededelingen Betreffende de Geschiedenis Der Nederlanden 118 (2003): 22–40.

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