Belgien im Krieg / Artikel

ANPASSUNG

Thema - Kollaboration

Verfasser : Wouters Nico (Institution : CegeSoma)

Der Begriff "Anpassung" bezieht sich auf die Verhaltensweisen einer Mehrheit der Bevölkerung, die sich an die Besatzung und ihre Komplexität anpassen, in einer Grauzone, die sich von Kollaboration und Widerstand unterscheidet.

Ursprung und Verwendung

Der Begriff wurde erstmals von dem niederländischen Historiker Ernst H. Kossmann verwendet. Er wollte die Anpassungsfähigkeit und den Gehorsam der Behörden und Unternehmen in Belgien und den Niederlanden hervorheben, die davon überzeugt waren, dass Widerstand unter der deutschen Besatzung sinnlos sei. Dies bedeutete auch, zum Beispiel von der Judenverfolgung wegzuschauen. Der Schweizer Historiker Philippe Burrin verwendete den Begriff dann, um ihn auf das Vichy-Frankreich anzuwenden. Er unterscheidet verschiedene (moralische) Kategorien. „Anpassung" oder "Opportunismus" (z.B. Unternehmen, die große Gewinne erzielen) kann seiner Ansicht nach mit Kollaboration verwechselt werden.

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Institution : CegeSoma
Sammlung : Sipho
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : De begrafenis van de slachtoffers van de Angelsaksische terreur aanval op Antwerpen, welke plaats had op 9 april 1943.

Unterzeichnung

Der Begriff kann für Eliten und Unternehmen, aber auch für die Bevölkerung als Ganzes verwendet werden. Der Begriff "Anpassung" bezeichnet ein Verhalten, das sowohl Widerstand als auch Kollaboration ablehnt und potenziell die große Mehrheit der Bevölkerung erfasst. Er kann sich daher auf die administrative oder wirtschaftliche "Politik des geringsten Widerstands" beziehen, aber auch auf individuelle Strategien für das tägliche Überleben, wie die Suche nach Nahrung, Kleidung, Heizung und Sicherheit. Das Überleben unter der Besatzung bedeutete, neue Verhaltensweisen anzunehmen: Kleinkriminalität, eine Vorliebe für Geheimhaltung, neue soziale Beziehungen, Tauschhandel und, ganz allgemein, eine Kultur der gegenseitigen "kleinen Absprachen".

Moralisch gesehen hat die Anpassung etwas Zweideutiges. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung lehnt eine Kollaboration ab, entscheidet sich aber auch nicht für Widerstand. Im Alltag beugen sich die Menschen den neuen Machtverhältnissen. Akkommodation bedeutet auch, gewisse Auswüchse des bestehenden Systems zu akzeptieren.

Der wesentliche Punkt ist, dass es sich um einen dynamischen Begriff handelt. Es bedeutet, sich an einen sich ständig verändernden Kontext anzupassen. So ändert sich auch die Anpassung, als sich abzeichnet, dass die Deutschen den Krieg verlieren.

Bibliographie

Gérard-Libois, Jules, and José Gotovitch. L’an 40 : La Belgique Occupée. Bruxelles: CRISP, 1971.

Kossmann, Ernst Heinrich. De Lage Landen 1780 - 1980: Twee Eeuwen Nederland En België. 2: 1914 - 1980. Amsterdam: Elsevier, 1986.


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