Belgien im Krieg / Artikel

Falsche Dokumente - Deutsche Justiz

Thema - Justiz

Verfasser : Maerten Fabrice (Institution : CegeSoma)

Urkundenfälschung ist im deutschen Strafgesetzbuch, das im besetzten Belgien gilt, nicht sehr häufig. Um diese von der Widerstandsbewegung weit verbreitete Praxis zu bekämpfen, griffen die Besatzungsmächte oft zu anderen legalen oder halblegalen Mitteln.

Weit entwickelte Widerstandsaktivität

Der Widerstand produziert oder fälscht Dokumente für diejenigen, die von den Besatzern als "illegal" abgestempelt werden. Diese Dokumente sind für sie von entscheidender Bedeutung. In anderen Fällen benötigen sie die Dokumente für ihre mögliche heimliche Ausreise ins Ausland. Diese Praxis nimmt zu, da immer mehr Menschen das Land verlassen.

Ursprünglich nur von fliehenden alliierten Soldaten benötigt, wurden diese Dokumente nach und nach von verschiedenen Gruppen genutzt: Kommunisten (ab Sommer 1941), alliierte Piloten (ab Anfang 1942), Widerstandskämpfer im Untergrund (besonders ab Anfang 1942), Juden (ab Sommer 1942) und viele Menschen, die sich weigerten, in Deutschland zu arbeiten (ab Herbst 1942).

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Vor allem Beamte produzierten falsche Dokumente für den Widerstand. Sie arbeiteten oft für die Unabhängigkeitsfront, eine wichtige Widerstandsbewegung, die Anfang 1941 von den Kommunisten gegründet wurde.

Eine Ordnungswidrigkeit, die selten als solche geahndet wird

Unter den vielen Prioritäten der Besatzungsmacht stand die Ahndung der Herstellung falscher Dokumente nicht im Vordergrund. Die Fälschung von Lebensmittel- und Versorgungsgutscheinen war das schwerwiegendste geahndete Verbrechen. Der Schwarzmarkt wurde besonders ins Visier genommen.

Die Fälschung wird oft so bestraft, als ob es sich um eine strafrechtliche Verfolgung von Arbeitsverweigerern oder Feindbegünstigten handelt. Da es keine legalen Mittel gibt die sie als streng genug erachten zögern die Besatzer nicht, die Inhaftierung in einigen Fällen als "Sicherheitsmaßnahme" zu verlängern.

Bibliografie

Vandenbussche, Robert  and Fabrice Maerten, eds. “Secrétaires Communaux et Résistance En Hainaut Belge : Au Cœur de La Solidarité,” 35:59–82. Lille: CEGES, 2005.

Papeleux, Léon. “Le Réseau van Den Berg Qui Sauva Des Centaines de Juifs.” La Vie Wallonne, no. 375–376 (1981): 129–208.

Roden, Dimitri. “"In Naam van Het Duitse Volk!” Het Duitse Krijgsgerecht En de Openbare Orde in Bezet België (1940-1944).” Ph.D. Thesis, Universiteit Gent, 2015.


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