Belgien im Krieg / Artikel

Verbrechen des Widerstands

Thema - Justiz

Verfasser : Zurné Jan Julia (Institution : CegeSoma)

Der Widerstand

Im Laufe der Besatzung führen die Widerstandsgruppen alle möglichen Aktionen durch, um die Deutschen und Kollaborateure zu unterwandern. Beispiele dafür sind Sabotage, Untergrundpresse, gewaltsame Angriffe und das Sammeln von Informationen für die Alliierten. Die Besatzungsmächte bekämpften diese Widerstandsaktivitäten mit aller Macht.

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Strafbar in den Augen der belgischen Justiz?

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Mit ihren Aktionen brechen die Widerstandskämpfer nicht nur deutsches, sondern manchmal auch belgisches Recht. Theoretisch sind sie daher vor den belgischen Gerichten strafbar. Offensichtlich ist dies zum Beispiel wenn es um Gewalt gegen Personen geht. Mord und "vorsätzliche Zufügung von Wunden oder Schlägen" sind strafbar.

Aber Widerstandskämpfer brechen auch in einigen weniger offensichtlichen Fällen belgisches Recht. So ist es beispielsweise verboten, Schriften zu veröffentlichen oder zu verbreiten, die nicht den Namen und den Wohnort des Autors und des Druckers nennen - was natürlich auch für die Untergrundpresse gilt. Ausgedehnte Schikanen gegen Kollaborateure, wie das Einschlagen von Fenstern und das Beschmieren von Fassaden mit Hakenkreuzen, können als Verbrechen gegen das Eigentum angesehen werden.

En se livrant à de telles actions, les résistants enfreignent non seulement la loi allemande, mais aussi parfois la loi belge. De ce fait, en théorie, ils sont également susceptibles d'être sanctionnés par la justice belge. Certains cas sont évidents, comme dans le cas de violences commises contre des personnes. Le meurtre et les 'coups et blessures volontaires' sont, en effet, punissables par la loi belge.

Aber Widerstandskämpfer brechen auch in einigen weniger offensichtlichen Fällen belgisches Recht. So ist es beispielsweise verboten, Schriften zu veröffentlichen oder zu verbreiten, die nicht den Namen und den Wohnort des Autors und des Druckers nennen - was natürlich auch für die Untergrundpresse gilt. Ausgedehnte Schikanen gegen Kollaborateure, wie das Einschlagen von Fenstern und das Beschmieren von Fassaden mit Hakenkreuzen, können als Verbrechen gegen das Eigentum angesehen werden.

Verfolgung?

Die Tatsache, dass es sich bei den Widerstandshandlungen um Verstöße gegen belgisches Recht handelt, bedeutet nicht, dass die Staatsanwaltschaft die Täter strafrechtlich verfolgen muss. Es steht der Staatsanwaltschaft frei, einen Fall nicht weiter zu verfolgen. Dies ist bei Widerstandshandlungen oft der Fall, weil die Täter im tiefsten Verborgenen arbeiten und dafür sorgen, dass die Staatsanwaltschaft keine Ahnung hat, wie sie ihnen auf die Spur kommen können. Sabotageakte und Schmierereien finden in der Regel nachts statt, und die Schmierereien werden in völliger Geheimhaltung durchgeführt. Außerdem sind diese Straftaten für die Staatsanwaltschaft nicht vorrangig, da sie die öffentliche Ordnung nicht ernsthaft gefährden.

Bei manchen Widerstandshandlungen ist es jedoch schwieriger, anonym zu bleiben. Dies gilt z.B. für Angriffe auf Kollaborateure und Deutsche, bei denen die Täter in die Nähe ihrer Opfer kommen müssen und Zeugen nie ausgeschlossen werden können. Außerdem handelt es sich um schwerwiegende Handlungen mit oft tödlichen Folgen. Das macht es der belgischen Justiz besonders schwer, wegzuschauen, wenn sie die Täter vor deutscher Strafverfolgung schützen will. Mit der Zunahme der Angriffe ab 1942 führte dies zu einem schweren Konflikt zwischen der Justiz und den Besatzern.


Les actes de résistance peuvent donc constituer des délits aux yeux de la loi belge : cela ne signifie pas pour autant que le Ministère public doit en poursuivre les auteurs. Le parquet a, en effet, la liberté de décider de classer une affaire sans suite. C'est souvent le cas pour les activités de résistance : leurs auteurs agissent dans le plus grand secret et font en sorte que le parquet n'ait aucun indice permettant de les rechercher.

Les actions de sabotage et les inscriptions sur les façades ont généralement lieu la nuit, et les journaux clandestins sont édités en toute discrétion. De plus, ces délits ne constituent pas une priorité pour le Ministère public car ils ne mettent pas sérieusement en péril l'ordre public.

Il est parfois difficile, pour certains actes de résistance, de conserver l'anonymat. Par exemple, lors d’attentats perpétrés contre des collaborateurs et des Allemands, les auteurs doivent s'approcher de leurs victimes et un témoin n’est jamais exclu. De plus, il s’agit de faits graves aux conséquences souvent fatales. Aussi est-il très difficile pour la justice belge de détourner le regard si elle souhaite protéger les auteurs des poursuites allemandes. La hausse du nombre d'attentats à partir de 1942 entraîne, de ce fait, un conflit aigu entre la magistrature et le pouvoir occupant.

Bibliographie

Laplasse, Jan, and Karolien Steen. “Het Verzet Gewogen: Een Kwantitatieve Analyse van Politieke Aanslagen En Sabotages in België, 1940-1944.” Cahiers d’Histoire Du Temps Present, no. 15 (2005): 227–60.

Zurné, Jan Julia. “‘Een Buitengewoon Verontrustend Gewetensprobleem’. De Belgische Magistratuur En Door Verzetsgropen Gepleegd Geweld Tegen Collaborateurs 1940-1950.” Ph.D. Thesis, Universiteit Gent, 2016.


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