Belgien im Krieg / Artikel

Belgische Kommunalverwaltung

Thema - Kollaboration

Verfasser : Wouters Nico (Institution : CegeSoma)

Die kommunalen Verwaltungen spielen während der Besatzungszeit eine wesentliche Rolle, aber durch die Unterwanderung von Kollaborateuren und der dementsprechenden Unterdrückung der Demokratie kommt es zu großen Spannungen.

Eine schwierige Anpassung

Von Beginn der Besatzungszeit an wurden die belgischen Kommunalverwaltungen heftig kritisiert, indem sie für Lieferschwierigkeiten verantwortlich gemacht wurden. Dies führte in der ersten Hälfte des Jahres 1941 zu einer Reihe von Reformen. Die wichtigste war die Zentralisierung der Verwaltungsgewalt in den Händen des Bürgermeisters und der Stadträte. Sieben städtische Agglomerationen wurden ebenfalls jedes Mal zu einer einzigen Stadt zusammengelegt. Für Rex und den Vlaams Nationaal Verbond (VNV) waren die Kommunalverwaltungen das wichtigste praktische Instrument der Nazifizierung der Gesellschaft. Die politische Machtübernahme durch die kollaborierenden Parteien ist unter den Bürgermeistern besonders stark und sichtbar, was vor allem in Flandern der Fall ist.

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Institution : CegeSoma
Sammlung : Sipho
Urheberrecht : CegeSoma
Legende des Ursprungs : Aan het gemeentehuis van Vilvoorde. De Heer Borrey nieuw burgemeester van Vilvoorde trad op 21/6/42 in functie. De burgemeester groet de groepen die defileren. [Frei gegeben durch zensur]

Kompetenzen und Auswirkungen

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Institution : CegeSoma
Urheberrecht : Droits Réservés
Legende des Ursprungs : Non légendée

Unter der Besatzungszeit waren die Kommunalverwaltungen das lokale Bindeglied bei der Organisation der Versorgung (einschließlich aller Kontrollen), der Beschäftigung, der Sozialhilfe, der öffentlichen Ordnung und der Kontrolle des täglichen öffentlichen Lebens. Einerseits können die lokalen Regierungen ihre Kompetenzen und ihren Einfluss erweitern. Auf der anderen Seite werden sie unter die direkte Aufsicht des Besatzers gestellt. Sie müssen unweigerlich einen Teil der von Deutschland beschlossenen zentralen Politik umsetzen. Die Besatzung hatte auch dramatische Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen. Letztlich waren die individuellen Entscheidungen der Bürgermeister, der Gemeindepolizei und des Gemeindepersonals entscheidend. Lokale Regierungen können in Gesprächen mit dem Besatzer eine Vermittlerrolle spielen und so positive Ergebnisse für die Bevölkerung erzielen. In der zweiten Hälfte der Besatzungszeit gelang es den Lokalregierungen auch, bestimmte repressive Maßnahmen diskret zu sabotieren.

Lokal und Zentral

Das Verschwinden der zentralen (politischen) Macht bedeutet, dass die lokalen Regierungen zum Teil die Rolle des Staates übernehmen müssen. Dies verursacht viele Schwierigkeiten. Lokale Regierungen sind sich selbst überlassen und müssen selbst entscheiden, wie sie auf bestimmte heikle Befehle der deutschen Besatzungsmacht reagieren. Doch in den Jahren 1943 und 1944 erweisen sich die
lokalen Regierungen als durchaus in der Lage, lokale Interessen zu verteidigen und eine erneuerte lokale Zivilgesellschaft zu unterstützen. Gerade in dieser Widerstandsfähigkeit der lokalen Regierungen zeigt sich ein wesentlicher Aspekt der institutionellen Stärke des belgischen liberalen Staates.

Bibliographie

Wouters, Nico. De Führerstaat: Overheid En Collaboratie in België (1940-1944). Tielt: Lannoo, 2006.

Wouters, Nico. Oorlogsburgemeesters 40/44: Lokaal Bestuur En Collaboratie in België. Tielt: Lannoo, 2004.

Wouters, Nico. “Steden En Gemeenten.” In Knack Historia: België 40-45, edited by Bruno De Wever, Helen Grevers, Rudi Van Doorslaer, and Jan Julia Zurné, 78–85. Roeselaere, 2015.


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